Alex Grein ∩ Anna Vogel

September 11 - October 24, 2015

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Klassischerweise treffen Photographen die Entscheidung, ob sie Bilder suchen, oder Bilder machen, also gefundene Situationen festhalten, oder ihr Motiv selbst konstruieren bzw. arrangieren. Alex Grein und Anna Vogel haben sich von diesen Kategorien selbstbewusst gelöst und legen sich nicht auf eine Variante fest. Sie kombinieren, verändern und bearbeiten eigenes und fremdes Material und schaffen so Arbeiten, die sich nicht sofort unter dem Begriff der Photographie subsummieren lassen. Hierzu passt, dass beide Meisterschülerinnen der Klasse für freie Kunst von Andreas Gursky waren bzw. sind. Diese Freiheit erstreckt sich im Werk beider Künstlerinnen auf die technische Umsetzung, so dass neben Fotos, Zeichnungen, oder Collagen auch Installationen, Videos und skulpturale Arbeiten entstehen. Mit der Photographie, also der Abbildung von Wirklichkeit sind diese Arbeiten konzeptuell, stets verbunden, wobei das jeweilige Konzept mit den Mitteln umgesetzt wird, die passend und notwendig erscheinen.

Passend haben sie die Ausstellung mit der Schnittmenge aus Alex Grein und Anna Vogel betitelt. Beide Künstlerinnen interessieren sich für die Grenzbereiche der Fotografie und befinden sich im Moment eher auf der anderen Seite dieser Grenze. Diese Entwicklung hat bei Anna Vogel zu einer Serie von vibrierenden, abstrakten Zeichnungen auf bedrucktem Fotopapier geführt, die den Betrachter gleichzeitig anziehen, aber auch irritieren undDistanz zu ihm wahren. Alex Grein zeigt eine Gruppe von Arbeiten, in denen sie gesehene Bilder und empfundene Situationen filtert und aus eigener Sicht interpretiert. Durch Wiederholungen unterzieht sie Wahrheiten bzw. Begrifflichkeiten von Natur, Technik und Text einer Prüfung und macht sich und dem Betrachter verborgene Strukturen oder Denkmuster bewusst.

Gemein ist den Künstlerinnen dabei das Spiel mit Wahrnehmung, Zweifeln bezüglich dieser Wahrnehmung und dem fließenden Übergang zwischen Wahrheit und Illusion. In der Ausstellung geht es nicht nur um die Schnittmenge der beiden Künstlerinnen, sondern vor allem um die Schnittmenge von Realität und der Abbildung von Realität. Anna Vogel lässt den Betrachter durch sich scheinbar auflösende oder gerade erscheinende Formen, die bekannt und fremdartig zugleich wirken, jedoch im Unklaren darüber was er sieht. Ganz möchte man der Schönheit der kühlen Kompositionen nicht trauen. Alex Grein dagegen wiegt den Betrachter zunächst in Sicherheit und die Irritation folgt erst bei näherer Auseinandersetzung mit der jeweiligen Arbeit, wenn man zum Beispiel feststellt, dass es sich bei den beiden identischen Farnblättern nicht um Original und Kopie handelt, sondern um zwei Duplikate eines nicht mehr existierenden Blatts. Oder der Computer im Ausstellungsraum, der vermenschlicht offen lässt, ob er mit dem Besucher, oder über ihn lacht.

Obwohl der Arbeitsprozess beider Künstlerinnen gegensätzlich erscheint – Vogel geht intuitiv an die Arbeiten heran, die sich langsam aufbauen, Grein plant den Prozess und das Ergebnis im Vorfeld genau – gibt es auch hier Gemeinsamkeiten. Der selbstverständliche Einsatz des Computers und die Verbindung von Digitalem mit Analogem bzw. Realem, von Natur und Technologie, von perfekt Produziertem und offensichtlich Handgemachtem. Vor allem diese manuellen Eingriffe, evozieren – verstärkt durch menschliche Ungenauheiten -  Gedanken zu Existenz, Zeit oder Erinnerung.  Klassische Themen also, die Alex Grein und Anna Vogel durch einen aktuellen konzeptuellen Unterbau, in ein neues Licht rücken. Die Tatsache, dass es eine Welt unabhängig vom Menschen gibt, bleibt dabei stets spürbar.

Anna Vogel ist 1981 geboren und hat bei Thomas Ruff, Christopher Williams und zuletzt als Meisterschülerin bei Andreas Gursky studiert. Sie hatte zahlreiche Einzelausstellungen, u.a. Im Kunstverein Recklinghausen, in der Galerie Sprüth Magers in Berlin oder im KIT- Kunst im Tunnel in Düsseldorf. Sie war an Ausstellungen im Marta Herford, in der Kunstsammlung NRW und der Biennale auf Lanzarote beteiligt. 2012 erhielt Anna Vogel den Förderpreis der Landeshauptstadt Düsseldorf und war 2014 für den Karl-Schmitt-Rottluff Preis nominiert.
Alex Grein ist 1983 in Köln geboren und studiert seit 2011 bei Andreas Gursky an der Kunstakademie Düsseldorf. Ihre Arbeiten wurden bereits im Kunstverein Duisburg, imd KIT- Kunst im Tunnel in Düsseldorf und im International Museum of Modern Art auf Lanzarote gezeigt. Alex Grein war an der Ausstellung State oft he Art Photography im NRW Forum in Düsseldorf beteiligt und ist Preisträgerin des Projektförderpreises der Best Gruppe (2015), sowie des 4. Internationalen Marianne Brandt Wettbewerbs (2010).


Usually photographers must decide whether they search for the right image or make the image themselves. It is a decision of capturing a found situation or constructing, or arranging, a motif. Alex Grein and Anna Vogel have liberated themselves from these categories and do not commit to either single variant. They combine, alter and edit their own material and that of others thus creating artworks that cannot be subsumed purely under the term photography. It is fitting that both are and were master students of Prof. Andreas Gursky in his class for Fine Arts. The freedom provided to the students there reaches far into the works of both artists in terms of their technical realization and leads to the development of installations, videos and sculptures besides photographs, drawings or collages. Nevertheless these works always remain connected to photography, the reproduction of the real. Still enabling each idea to be carried out with the appropriate means and tools needed.

Fittingly the artists have titled the exhibition with the mathematical symbol ∩ (intersection) of Alex Grein and Anna Vogel. Both artists engage strongly with the limits of photography and are currently positioned opposite to this border. This development in Anna Vogel’s works leads to a series of vibrating, abstract drawings on printed photographic paper. They are alluring but simultaneously irritate the spectator and keep he or she aloof. Alex Grein presents a group of works, in which she filters perceived images and experienced situations and interprets these subjectively. By replicating she takes the conceptions and truths about nature, technology and text to a test and uncovers hidden structures and thinking patterns to herself and the spectator.

Both artists have the interplay with the senses in common. They doubt this perception und the fluid transition between reality and illusion. The exhibition is not only about the overlapping of both artists work. It is about the overlapping of realities and the representation of reality. Anna Vogel obscures the vision of the spectator with apparently dissolving sometimes even appearing forms that seem familiar and alien at the same time. One does not want to trust the beauty and clear composition completely. Alex Grein on the other part leaves the spectator thinking him or herself safe and the irritation follows only with a closer look at the work itself. Two identical fern leaves, for example, are not original and copy, but two duplicates of a leaf that clearly does not longer exist. Further a computer in the exhibition space leaves it open, like a human, if it is laughing with the visitor or about him or her.

Although the working process of both artists seems to be contrary, Vogel attempting her works, that grow slowly, intuitively and Grein planning the process and outcome precisely, there are parallels like the evident use of computer technology and the combination of digital and analogue (the real), and of nature and technology, of perfectly produced and obviously hand-crafted material. The manual interventions especially evoke thoughts on existence, time and memory. This is emphasized by human inaccuracy. In a way these are classical subjects that Alex Grein and Anna Vogel shed new light upon but on a foundation of current discourse.
The fact that a world exists autonomous to the human remains constantly noticeable.


Anna Vogel, born in 1981, was student of Thomas Ruff, Christopher Williams and most recently master student of Andreas Gursky. She had a number of solo exhibitions, among others at Kunstverein Recklinghausen, Sprüth Magers Gallery in Berlin or KIT- Kunst im Tunnel in Düsseldorf. She participated in exhibitions at Marta Herford, Kunstsammlung NRW and Lanzarote Biannual. In 2012 Anna Vogel received an award from the city of Düsseldorf and was nominated in 2014 for the Karl-Schmitt-Rottluff Prize.
Alex Grein was born in 1983 in Cologne and is student of Andreas Gursky at the Academy of Fine Art Düsseldorf. Her works were presented at Kunstverein Duisburg, at KIT- Kunst im Tunnel in Düsseldorf and International Museum of Modern Art Lanzarote. She participated in the exhibition “State of The Art Photography” at the NRW Forum in Düsseldorf and is winner of the project award Best Group (2015) and the 4th International Marianne Brandt Competition (2010).