Sebastian Jung
It’s not about me

exhibition: November 11 - December 22, 2016
 

installation views by Sebastian Kissel

 

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In seiner ersten Ausstellung bei SPERLING präsentiert Sebastian Jung Fotografien, Skulpturen und Arbeiten auf Papier, die sich dem Thema der Selbstwahrnehmung im digitalen Zeitalter widmen. Hierbei bedient er sich zum Einen vorgefundenen Bildmaterials aus populären sozialen Medien wie Snapchat und Facebook und zum Anderen alltäglicher Eindrücke und Situationen aus seinem direkten Umfeld, die er mit dem Handy festhält und dann in das jeweilige Medium überträgt. Jungs interdisziplinärem Werk liegt stets seine subtile Beobachtungsgabe zugrunde, die den Ausgangspunkt seines künstlerischen Schaffens bildet. Mit feiner Ironie und schonungsloser Selbstkritik begegnet er in 'It’s not about me' dem Profilierungsdruck sozialer Medien und der daraus resultierenden, allgegenwärtigen Inszenierung eines erwünschten Selbst. 

Der zutiefst narzisstische Akt der permanenten Bestätigungssuche, den Künstler seit jeher für sich beanspruchen und der weithin toleriert wird, spiegelt zunehmend das Wesen einer heutigen Gesellschaft wider, in der das Individuum seine Verortung erst wieder finden muss. Was passiert mit einer Gesellschaft, in der sich das Individuum ständig mit sich selbst beschäftigt? In der es dabei nicht mehr um 15 Minuten Berühmtheit geht, sondern um 15 Sekunden - so oft wie möglich? Es entstehen Ängste, Sehnsüchte und Wünsche, die Jung ironisch aufgreift und uns offenbart, in dem er seine Person zeitgemäß ins Zentrum rückt, sich dabei aber nicht stark und selbstbewusst, sondern verletzlich und angreifbar zeigt. Hierbei geht es dann eben nicht nur um Sebastian Jung, sondern um eine ernste und reflektierte Auseinandersetzung mit der gesellschaftlichen und sozialen Situation, die seine Arbeiten um eine weitere Deutungsebene ergänzt und den Blick des Betrachters auf sich selbst lenkt. So entstehen Arbeiten, die zunächst oft fröhlich wirken, sich bei genauerer Betrachtung aber als tief traurig entpuppen.

 Jung nähert sich diesem Thema von verschiedenen Seiten und vereint in der Ausstellung Serien unterschiedlicher Medien. Neben zarten Zeichnungen, die von einer stark reduzierten Linie dominiert werden, zeigt Jung expressive und an Karikaturen erinnernde Aquarelle. Seine Fotografien wirken wie beiläufig entstandene Handyfotos, leicht verschwommen, mit optischen Fehlern, die die Skurrilität des Augenblicks und der Handlung betonen. Beiden fügt er teilweise Emojis oder Textzeilen hinzu, die an die Kommunikation in sozialen Netzwerken erinnern. 

Sebastian Jung, 1987 geboren, studierte Kunst und Gestaltung an der Bauhaus Universität in Weimar. Seine Werke wurden kürzlich von der Kunstsammlung Jena, im Jenaer Kunstverein, der nGbK - neue Gesellschaft für bildende Kunst in Berlin und der Imaginata Jena präsentiert. 2017 zeigt das Stadtmuseum München Arbeiten aus der Serie ‚Winzerla - Kunst als Spurensuche im Schatten der NSU’, zu der auch ein umfassender Katalog im KERBER Verlag erschienen ist. Sebastian Jung lebt und arbeitet in Jena.


In his first exhibition at SPERLING, Sebastian Jung presents photography, sculpture and works on paper dedicated to self-perception in the digital age. He combines found imagery extracted from popular social-media, such as Snapchat or Facebook, with everyday impressions and situations from his immediate surroundings captured by mobile phone and subsequently transfers these into their respective medium. Jung's interdisciplinary approach is primarily based on his subtle talent of perception and acts as the basis to his artistic work. Equipped with irony and relentless self-critique 'It's not about me' deals with the individuation 'profile' pressure inherent in social media and its resulting omnipresent staging of the desired self-image.

This deeply narcissistic act of permanently seeking recognition, which artists have always attributed to themselves and which is now widely accepted behavior, mirrors today's society. Only now the individual must find a way of positioning him or herself within it. What happens to a society where the individual solely revolves around itself? Where not 15 minutes but 15 seconds of fame is an ambition? Fear and desires are fueled. This, Jung unveils in an ironic stance, positioning himself at the centre of attention, not as a strong nor confident, but sensitive and vulnerable kind of individual. This is all obviously not just about Sebastian Jung, it is a more intense and reflected examination of society and its social norms and is an attempt at mirroring the view of the onlooker. The work is therefore at first glance light-hearted, but on closer inspection entails a healthy sense of melancholia.

For this exhibition, Jung approaches this topic from different perspectives and combines different media in a set of series. Delicate drawings dominated by starkly-reduced lines hang alongside expressive caricature-like watercolors. His photographs are fleeting mobile-phone photography, whose slightly blurred and optically-faulty aesthetic underlines the scurrility of the moment and the act in itself. Through the addition of emojis and short text-excerpts the mimicry of social-media communication becomes clearly visible.

Sebastian Jung, *1987, studied art and design at the Bauhaus University in Weimar. His work has recently been exhibited at the Kunstsammlung Jena, Kunstverein Jena, the nGbK (neue Gesellschaft für bildende Kunst ) in Berlin and at the Imaginata Jena. In 2017 the Munich Stadtmuseum will be showing works from the series 'Winzerla - Kunst als Spurensuche im Schatten der NSU', accompanied by a catalogue published by Kerber Verlag. Sebastian lives and works in Jena.