Judith Rau & Hannah Regenberg - Obsolé

curated by Sebastian Schneider

July 05 - July 28, 2018

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Obsolé ist ein Fantasiebegriff, der an die assoziativen Wortschöpfungen des Produktmarketings denken lässt. Ganz diesem Prinzip verpflichtet spielt das französisch klingende „obsolé“ auf eine Resthaftigkeit an, die sowohl unter inhaltlichen als auch strukturellen Aspekten in den Arbeiten von Hannah Regenberg und Judith Rau ausgemacht werden kann.

So beschäftigt sich Hannah Regenberg mit Übergängen zwischen Sprache, Schrift und Bild. Als Ausgangsmaterial dienen dabei meist vorgefundene Reste von Schrift, die einen vielstufigen Umarbeitungs- und Abstraktionsprozess durchlaufen. Im seriellen Verfahren des Siebdrucks verwendet sie Buchstabenformen etwa als konstruktive Elemente, aus denen immer wieder neue Kompositionen entstehen. Zuletzt überführte sie Buchstaben mittels geometrischer Verzerrung durch Techniken wie 3D-Druck, Wachs- und Bronzeguss oder als gezogene Gipsprofile in evokative skulpturale Formen.

Für ihre Videos verwendet Judith Rau vorwiegend Found Footage, das sie in eklektischer Weise mit Musik unterschiedlichster Genres zusammenbringt. Sie interessiert sich weniger für lineare Handlungen als für die Erzeugung von Affekten durch Montage. Ähnlich wie bei populären Formaten wie Musikvideos oder Musicals liegt den Arbeiten eine rhythmisch-musikalische Struktur zugrunde. La Nuit De L’Homme (2018) taucht ein in die Welt männlicher Amateur-Parfümtester und geht der Frage nach, in welcher Form sich eine überflüssig gewordene Idee von Männlichkeit synthetisieren und archivieren ließe.

Judith Rau studierte an der Hamburger Hochschule für Bildende Künste sowie am CalArts in Los Angeles. 2017 schloss sie ihr Masterstudium bei Prof. Michaela Melián ab. Sie ist Teil der Gruppe New Media Socialism. Deren Surreality-TV-Serie Hallo Deutschland – Die Einwanderer wird seit 2017 auf Kampnagel gescreent.

Hannah Regenberg graduierte 2014 als Meisterschülerin im Fach Freie Kunst bei Prof. Paco Knöller an der Hochschule für Künste Bremen. Sie lebt in Berlin und arbeitet neben ihrer künstlerischen Tätigkeit als Übersetzerin und Lektorin. Im Mai 2018 wurden ihre Arbeiten in einer Einzelausstellung in der Galerie K' in Bremen gezeigt.

 –Sebastian Schneider