Anna Vogel
Ferner weite Städte

exhibition: September 08 - October 21, 2017

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Anna Vogels Arbeiten sind hybride Bilder, die die Grenzen der Fotografie überschreiten, und doch in ihrem Medium verwurzelt bleiben. Sie verwendet Fotografien als Ausgangsmaterial, „zerlegt“ das fotografische Abbild aber auf digitale und händische Weise. Sie löscht, verschiebt und betont Bildelemente, zeichnet auf Fotografien, übersprüht sie oder kratzt Pigment ab.

In Ferner weite Städte zeigt Anna Vogel unter anderem eine neue Werkgruppe, die für ihre Einzelausstellung im Kunstverein Hildesheim entstanden ist. Die gezeigten Landschaften, Pflanzen und Fossilien gewähren Einblick in vergangene Erdzeitalter vor dem Auftauchen des Menschen oder in apokalyptische Szenarien nach seinem Verschwinden. In meist kleinformatigen Arbeiten treffen flächige Bildaufteilungen auf feingliederige Strukturen, nüchterne fotografische Abbildung auf das Aufflackern von Farbe und scheinbar zufällige organische Formen auf präzise gezogene Linien. Erst die Störung der Fotografie und die Gleichzeitigkeit von Gegensätzen bringt diese, nicht darstellbaren und nur schwer denkbaren Orte ins Bild.

Der Blick auf Anna Vogels Arbeiten eröffnet zugleich eine sinnliche Freude am Zusammenspiel der Medien, Ebenen und Brüche, sowie eine kontemplative Vertiefung in die Beschäftigung mit dem Wesen der Fotografie. Das Aushebeln des fotografischen Normalfalls bringt Bilder von atmosphärischer Dichte und konzeptueller Tiefe hervor, die bereits an der Bildoberfläche sinnlich erfahrbar ist. Die Zwischenformen zwischen Abbildung und Erfindung, die Anna Vogels Arbeitsweise prägen, machen die Bilder zu Metaphern für die Möglichkeiten der Imagination, die Unsicherheit von Erinnerung und die Sehnsucht nach dem Unerreichbaren.

Anna Vogel (*1981) studierte an der Kunstakademie Düsseldorf bei Thomas Ruff und Christopher Williams und schloss ihr Studium als Meisterschülerin von Andreas Gursky ab. Sie war an zahlreichen Gruppen- und Einzelausstellung in Deutschland und Europa beteiligt. Ihre Arbeiten sind mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem dhsc-Atelier Stipendium des Kunstvereins Düsseldorf und dem Förderpreis der Landeshauptstadt Düsseldorf.

Text: Francisco Vogel


Anna Vogel's works are hybrid images, which transcend the borders of photography, but manage to remain firmly rooted in the medium. She uses photography as a starting point but 'disassembles' the photographic depiction, digitally and manually. She erases, moves and accentuates image elements, draws on photography, sprays over it and scratches into its pigments.

In Ferner weite Städte, Anna Vogel shows, amongst other works, a new series that she produced for her solo show at Kunstverein Hildesheim. These landscapes, plants and fossils allow insight into past geologic eras – pre-man, or into apocalyptic scenarios – post-man. In mostly small-format scenarios, two-dimensional image compositions correspond with delicate structures; sober photographic depictions meet with flaring-ups of color and supposedly coincidental organic forms collide with precisely drawn lines. It is only through the disruption of photography and the simultaneity of contrasts that the non-depictable and hard-to-imagine locations are allowed into the image.

On regarding Anna Vogel's works, a sensual joy at the synergy of the mediums, layers and breaches as well as a contemplative deepening into the discourse with the nature of photography, takes place. The dismantlement of the photographic norm allows for images containing an atmospheric density and conceptual depth to already be experienced on a sensual level along the image's surface. The intermediate forms between depiction and invention, which shape Anna Vogel’s practice, enable the images to become metaphors for the possibility of imagination, the insecurity of memory and a desire for the unobtainable.

Anna Vogel (*1981) studied at the art academy in Düsseldorf under Thomas Ruff and Christopher Williams, finishing her studies as master student of Andreas Gursky. She has exhibited in numerous group and solo shows across Germany and Europe. Her work has been recognized multiple times, including as a recipient of the dhsc-studio scholarship and the sponsorship award of the city of Düsseldorf.

Text: Francisco Vogel