Andrew Gilbert: ‘The Glorious Opening of Emperor Andrew’s Museum’

November 09 - December 20, 2018

(please scroll down for english version)

„Andrew, du wirst dein glorreiches Museum auf Bergen von Zähnen,gebrochenen Körpern und besetztem Land bauen."

Holy Brocoli, Book of Murgelz, Chapter XXVII

Kaiser Andrew, Andrew von Arabien, Andrew die Zulu-Königin, Andrew, das letzte nordeuropäische Genie - das Universum des Künstlers Andrew Gilbert (geboren 1980 in Edinburgh) ist so komplex und inspiriert, dass der Versuch, es in einem kurzen Text zusammen zu fassen, an Blasphemie grenzt.

Für seine Ausstellung bei SPERLING in München 'The Glorious Opening of Emperor Andrew's Museum' wird Andrew, wie der Titel schon sagt, ein eigenes Museum bauen und darüber hinaus durch Installation und Skulptur die eigentliche Eröffnungszeremonie dieses Museums präsentieren. Es wird keinen coolen westlichen und jungen DJ geben, keine Männer in Anzugjacken und Jeans, die aus den Toiletten schleichen und sich die Koksnasen reiben, keine After-Show-Party - nur Disziplin und Garnelen auf Toast, begleitet vom Geräusch von Zwiebeln, die vom Himmel fallen, wie es der Prophet Mugrug vorhergesagt hat - „Wenn Europa wieder in den Stammeskrieg hinabsteigt soll es mit Nägeln übersäte Zwiebeln regnen, Halleluja.“

Die verblichenen Dioramen des Rorke's Drift Military Museum, das primitive Denkmal für den Zulu Anti Poll Tax Rebellion/Bambatha Aufstand von 1906 und das Phansi Museum in Durban - frische Inspirationen von Andrews Reise nach KwaZulu-Natal, Südafrika im Jahr 2017 - verbinden sich mit Kaiser Andrews Wunsch, sein eigenes Museum zu bauen. Andrews „Glorious Museum“ existiert seit vielen Jahren in seinem Kopf. Ein zuhause geschaffenes europäisches ethnographisches Museum, ein vergessenes und kaum besuchtes Britisches Regimentsmuseum, das imaginäre Museum eines an Malaria erkrankten Kolonialgenerals, der seine eigenen Regimente und Diener aus Gemüse und Holz baut, seine eigenen Götzen für seinen eigenen Kult und Denkmäler für seine imaginären vergangenen Heldentaten.

Während in London Menschen in Hochhäusern verbrennen, behauptet die Plakatkampagne der britischen Regierung am Heathrow Airport, dass Großbritannien immer noch groß ist - und wiederholt es auf jedem Meter von den stinkenden Parfümerien bis zu den Toiletten. Die „Pre-Brexit“-Zeitungen vermarkten eine Nostalgie für eine erfundene Vergangenheit durch das Bild des Soldaten im roten Mantel mit seinem schwarzen Stammes-Pelzhut, der kein Symbol für koloniale Gewalt, Besatzung und ethnische Säuberung, sondern ein beruhigendes Postkarten-Motiv ist. In Brandenburg verkaufen Tankstellen neben Geburtstagskarten mit Katzen auch Postkarten mit antimuslimischen Scherzen.

Andrews Interesse (seit den 90er Jahren) an der Verbindung von Werbung und Propaganda ist auch heute noch aktuell. Neben Zeichnungen von königlichen Porträts, Ehefrauen und der imperialen Eroberung zeigt Andrews Museum Arbeiten auf Papier, die erfundene Supermarktprodukte darstellen: „Leek Phone (tm)" und „Celebrate Brexit in style with NEW! Chile von Carne" (Hier bezieht sich Andrew auf die ewige Besessenheit der Briten mit dem Ersten Weltkrieg, in dem Millionen starben, als lebenswichtig für den angefertigten nationalen Mythos um die Dominanz der Stammeshäuptlinge zu erhalten - vom Feuer eines Flammenwerfers erfährt der Betrachter, dass es sich um ein extra „HOT!“ Chile handelt.).

In diesen Zeichnungen parodiert Andrew auch den Kult um die Shopping Mall, die europäische Objektverehrung und das westlich-primitive Ritual - zum Beispiel: mit einem Telefon ein Selfie zu machen. Andrew, in Zeichnung und Skulptur, repräsentiert dies, indem er einen Spiegel an einem Telefon, das an einem Lauch befestigt ist, anbringt. Das I-Phone wird zu einem Stammes-Artefakt, das von sabbernden, westlichen Wilden umklammert wird.

Das „Beast of Brexit“ (2018) zeigt Andrews Interesse an der europäischen christlich-mittelalterlichen Propaganda und deren Relevanz bis heute. In mittelalterlichen, apokalyptischen Bildern wie in der heutigen Propaganda der Boulevard-Presse, wurden exotische Feinde oft als Vorläufer des Antichristen oder als dämonische, braunhäutige Horden aus dem exotischen Osten dargestellt, die fest entschlossen sind westliche Kultur zu zerstören. Hier verkörpert der Brexit ein monströses Tier, das seine Krallen in die britische Küste gräbt, während im Vordergrund Flüchtlinge im Meer ertrinken. Im Hintergrund erscheint „The Charge of the Light Brigade" (der katastrophale und sinnlose Angriff der britischen Kavallerie auf russische Kanonen während des Krimkriegs im Jahr 1854) als Metapher für den Brexit.

Der Akku meines „Leek Phones (tm)“ ist fast leer….Veteranen, Frauen, Hexendoktoren und Diener werden an dieser glorreichen Eröffnung teilnehmen.

Bringen Sie Trauben und heiligen Ananas-Saft (tm) mit, denn schon morgen könnten uns die amerikanischen Drohnen-Angriffe auf Fleisch- und Knochenklumpen reduzieren. Entschuldigen Sie, eigentlich wollte ich schreiben… denn schon morgen könnten unseren Leek-Phones die Batterien ausgehen und die Museen, die unserer glorreichen Vergangenheit gewidmet sind, werden vergessen oder von ausländischen Besatzern geplündert.

Andrews königlicher Sekretär, General Gordon, Khartum 1885 / Berlin 30.10.2018

Andrew Gilbert, geboren 1980 in Edinburgh, lebt und arbeitet in Berlin. Seine Arbeiten wurden international in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen gezeigt. Anlässlich einer Einzelausstellung der Overbeck Gesellschaft (Lübeck) ist kürzlich ein umfangreicher Katalog im Kerber Verlag erschienen. Darüber hinaus wurde Andrew Gilberts Werk in den letzten Jahren unter anderem im Bayerischen Armeemuseum (Ingolstadt), von blank Projekts (Kapstadt), im Marta Herford (Herford), von der National Gallery Singapore und im Saint John’s Art Centre (Minnesota) gezeigt. Im Laufe des kommenden Jahres wird Andrew Gilbert im City Arts Centre (Edinburg) ausstellen.


"Andrew you shall build your Glorious Museum on piles of teeth, broken bodies and occupied land"

Holy Brocoli, Book of Murgelz, Chapter XXVII


Emperor Andrew, Andrew of Arabia, Andrew the Zulu Queen, Andrew the Last North European Genius - the universe of artist Andrew Gilbert (born 1980 Edinburgh) is so complex and inspired that to attempt to condense it into a short text borders upon blasphemy.

For his exhibition at SPERLING Munich 'The Glorious Opening of Emperor Andrew's Museum' Andrew shall, as the title suggests, build his own Museum and furthermore present through installation and sculpture the actual opening ceremony of this Museum. There shall be no "cool" Western youth D.J., no men in suit jackets and jeans emerging from the toilets rubbing their cocaine stained noses, no after show party - only discipline and prawns on toast accompanied by the sound of Onions falling from the sky as the Prophet Mugrug predicted - "As Europe descends again in to Tribal War - it shall rain Onions covered in Nails, Hallelujah“

The faded dioramas of the Rorke's Drift Military Museum, the 'primitive' monument to the Zulu anti Poll Tax Rebellion/Bambatha Uprising of 1906 and the Phansi Museum in Durban - fresh inspiration from Andrew's 2017 journey to KwaZulu-Natal, South Africa, is combined with Emperor Andrew's desire to build his own Museum. Andrew's Glorious Museum exists since many years in his mind. A home made European Ethnographic Museum, a forgotten and barely visited British Regimental Museum, the imagined Museum of a malaria ridden Colonial General - who builds his own regiments and servants from vegetables and wood, his own Idols to his own Cult and Monuments to his imagined past Glories.

As people burn to death in London in their High Rise tower the British Government poster campaign at Heathrow Airport claims that Britain is still 'Great', repeated every meter from the stinking perfume shop to the toilets. Pre Brexit newspapers market a nostalgia for the imagined past through the image of the red coat Soldier in his Tribal black fur hat , not a symbol of colonial violence, occupation and ethnic cleansing but a reassuring tourist post card. In Brandenburg Germany, petrol stations sell, next to cat themed Birthday cards anti Muslim joke cards.

Andrew's interest (since the 1990s) in the link between advertising and propaganda remains relevant today. Along side drawings of Royal Portraits, Wives and Imperial conquest Andrew's Museum shall display works on paper depicting imaginary supermarket products: 'Leek Phone (tm)' and "celebrate Brexit in style with NEW! Chile von Carne" (here Andrew references the British eternal obsession with World War 1 as vital to the manufactured national myth in which millions died to preserve the dominance of Tribal Chiefs - from the fire of a flame thrower the viewer is informed that this is extra 'HOT!' Chile).

In these drawings Andrew also parodies the cult of the Shopping Mall, European object worship and Western primitive ritual - for example: using a phone to make a 'Selfie'. Andrew, in drawing and sculpture, represents this by attaching a mirror to a phone attached to a Leek - the I-phone becomes a tribal artefact clutched by drooling Western savages. 'The Beast of Brexit' (2018) shows Andrew's interest in European Christian Medieval propaganda and its relevance to now. In Medieval apocalyptic imagery, as in today's tabloid propaganda, exotic enemies were often portrayed as precursors to the Anti Christ or as demonic brown skinned hordes from the Exotic East intent on the destruction of Western culture. Here Brexit is personified as a monstrous beast, digging its claws in to the British coast while in the foreground refugees drown in the sea. In the background 'The Charge of the Light Brigade' (the disastrous and pointless charge of the British cavalry into Russian cannons in 1854 during the Crimean War) appears as a metaphor for Brexit.

My 'Leek Phone (tm)' is running out of battery… Veterans, Wives, Witch Doctors and Servants shall attend this Glorious Opening.

Bring grapes and sacred Pineapple Juice (tm) for tomorrow American Drone strikes may reduce us to lumps of flesh and bone, sorry, meant to write… for tomorrow our Leek phones may run out of batteries and the museums dedicated to our Glorious past may be forgotten or looted by foreign occupiers.

Andrew's Royal secretary, General Gordon, Khartoum 1885 / Berlin 30.10.2018

Andrew Gilbert, born 1980 in Edinburgh, lives and works in Berlin. His works have been shown internationally in numerous solo and group exhibitions. On the occasion of a solo exhibition at the Overbeck Society (Lübeck), an extensive catalogue has recently been published by Kerber Verlag. In recent years Andrew Gilbert's work has also been shown at the Bavarian Army Museum (Ingolstadt), blank Projects (Cape Town), Marta Herford (Herford), the National Gallery Singapore and the Saint John's Art Centre (Minnesota). Next year Andrew Gilbert will exhibit at the City Arts Centre (Edinburgh).